ANNA SCHIMKAT
*1974 in Darmstadt
Meisterschülerin 2009 - 2011
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Website von Anna Schimkat
soundcloud.com/annaschimkat
aundv.org


80 Variationen, 2011, Diaprojektor mit Karussell, Projektion auf Rückprojektionsfolie

80 Variationen des Themas drei Quadrate, neun Punkte. Als Handzeichnung, als Ausdruck und schwarz auf weiß, sowie invertiert.

Das Spiel mit den verschiedenen Möglichkeiten wird von innen an die Rückprojektionsfolie projiziert. So ist das Bild sowohl von innen (im Ausstellungsraum), als auch von außen durch das Fenster zu sehen. Der Diaprojektor mit seiner scheinbar historischen Ästhetik ist Objekt der Ausstellung. Das rund laufende Karussell verwischt Anfang und Ende der Geschichte.

 


Säuger können kein Wasser atmen, Fische keine Luft. 2011
Raum- und 2 Kanal- Klanginstallation, Metallkonstruktion, Polycarbonatplatte, Lautsprecher, Verstärker, Abspielgerät.

Einatmen – Ausatmen.

Die Installation „Säuger können kein Wasser atmen, Fische keine Luft.“ beschäftigt sich damit, das Atmen als inneren körperlichen Vorgang wiederum von außen physisch wahrnehmbar zu machen.

In einer Röhre (d = 90cm, aus einer durchsichtigen Polycarbonatplatte auf Metallkonstruktion) sind 2 Lautsprecher auf Lungenhöhe angebracht. In diesem den Betrachter umschließenden Klangraum ist ein 55sec. Loop zu hören, der sich aus Atem- und Lungenabhörgeräuschen zusammensetzt. Der Klang ist so komponiert, dass ein Rhythmus entsteht, welcher die Quelle des Ursprungklangs hinter sich zurück lässt.

Die durchsichtige gebogene Kunststoffscheibe erzeugt zudem eine visuelle Irritation. Die Röhre wird zu einem nicht zu begreifenden Leerraum, der von einer kaum wahrnehmbaren durchsichtigen Hülle begrenzt wird. Innen und Außen definiert sich scheinbar nur durch den Klang, den Rhythmus des Atems, den Rhythmus aus Atem.

Die Konzentration des Betrachters wird auf das, oft nicht bewusst wahrgenommene, Detail des Atemvorgangs fokussiert. Durch das Abspielen der Sounddatei als Loop entsteht ein Klangbild, welches zum melodischen Rhythmus wird.

 

 

Soglia Version 1

 


Soglia Version 2, 2010, Raum- und 2 Kanal-Klanginstallation, Holzgerüst, Teppich, 2 Lautsprecher, Verstärker, Lichtschranke, Programmierung

(la soglia: italienisch für Schwelle in Sinne eines Minimalwertes einer Größe, ab der ein interessierender Effekt einsetzt.)

Wohin des Wegs, sprach der Eine, als er den Zwischenraum der Schwelle durchschritt, fragte der Andere, sind wir jetzt außen oder innen, antwortete der Dritte, treten wir ein?
Wir halten uns fest am Zipfel des Betttuches und erleben uns im Mittelpunkt der Welt, lösend vom einen, eindringend in den anderen Raum.
Der Übergangsraum wird zum Urbild der sozialen Interaktion.
Der Besucher durchschreitet den Übergangsraum der Schwelle.
Der Übergangsraum beginnt schon im Außenbereich. Dort wird er durch eine, in Material und Farbe dem Innenraum angepasste, Stufe zur Tür geleitet. Durchtritt er diese, gelangt er zur eigentlichen Schwelle. Das Erlebnis des Zwischenraumes „Schwelle“ wird durch eine auf 25cm Höhe ansteigende Schräge physisch erfahrbar gemacht.
Gleichzeitig aktiviert der Betrachter beim Eintreten in den Kunstraum eine an der Tür angebrachte Lichtschranke, welche das Signal an einen Computer weiter gibt, der einen Sound von 7sec schaltet.
Die Klangcollage begleitet ihn beim Überschreiten der Schwelle. Die Collage besteht aus real aufgenommenen Klangschnipseln, die im Ganzen den Eindruck eines einsaugenden, bzw. ausspeienden Sounds ergeben. So begleitet der Sound auch dann den Betrachter, wenn er den Ausstellungsraum wieder verlässt und durch die Tür wieder nach außen tritt.

 

 


where are we going, 2010, 4 Fahnen mit Gewebeband beklebt.

„We know we have to go somewhere. We know that something like history is leaving us behind. We have no idea how to get to a new place. And we're spending most of our mental energy gaping into the rear-view mirror, which is the last place to look for your destination.“

„Where Have We Been; Where Are We Going?“ by James Howard Kunstler http://www.kunstler.com/blog/2010/03/where-have-we-been-where-are-we-going.html

 

 

Komposition an 10 Fenstern, 2010, 20 Kanal- Klanginstallation, 10 Paare Aktivlautsprecher, 10MP3 Player

Die Fenstergitter am Erdgeschoss des Werk IVs des ehemaligen Textilwerkes in Kirschau im sächsischen Oberland werden durch das daran entlang schleifen mit einem Stock zum Klingen gebracht. Die Gitter werden scheinbar zu einem Musikinstrument. Die Spielweise an jedem der Fenstergitter ist unterschiedlich.

Während jede Säule einem Fenster linear zugeordnet ist, ist die Orientierung des Geräuschs im Raum zufällig.
Der Betrachter hat den Eindruck eines durch den Raum wandernden Klanges. Mal läuft das Geräusch von Säule zu Säule, mal springt der Klang durch von einer zur anderen. Es entsteht eine zufällige Komposition.
Die Herkunft des Klangs bleibt zunächst ungeklärt und versucht sich zu verorten. Kommt er von den noch in der ehemaligen Werkhalle vorhandenen Maschinen, vom Betrachter selbst, von innen, von außen oder ist es womöglich die Erinnerung an ein vertrautes Kinderspiel?

 

 

Kapitulation, 2010, 193 weißen Flaggen, Holzrahmen, 7 Spannseile

Welcher Staat hat sich nicht auf Sieg oder Niederlage hin gegründet? Welche Grenze ist „natürlich“ gezogen worden? Welches Volk hat noch keinen Krieg erlebt?
Schon zur Zeit der chinesischen Han Dynastie galt die weiße Flagge als Zeichen der Kapitulation. Nach dem internationalen Kriegsrecht gewährt sie dem Träger Schutz und das Recht auf Unverletzlichkeit an Körper und Geist.  

Die Konstruktion der Linien/Formen/Farben auf den 193 Flaggen der souveränen Staaten der Welt werden neutralisiert und reduziert. Übrig bleiben die Seitenverhältnisse, die in den Statuten der Nationalstaaten festgelegt sind. (Beispiele: Deutschland: 2:3, USA: 1:2, Katar mit dem Verhältnis 11:98 ist die längste der Flaggen und Togo hat als einziges Land den Goldenen Schnitt zum Verhältnis genommen.)

Die Flaggen sind aufgereiht an einer Konstruktion aus zwei Holzrahmen (4m x 4m) und 7 Stahlseilen (à ca. 26m). Der Eindruck eines übermäßig großen Wäschetrockenplatz entsteht. Das öffnet dem/der Betrachter/in den Weg für Interpretationen in die eine oder andere Richtung. Spielerisch wird mit der Behauptung umgegangen, dass all unser Leben auf Kapitulation aufgebaut sei.

Die Anordnung in Reih und Glied verwischt nochmals die Grenzen und erhebt die einzelne Flagge in ein Meer oder einen weißen Himmel.

 

 


Schwarz Rot Gold, 2004/2009

 


Schwarz Rot Gold, 2004/2009

Foto: Yvon Chabrowski

 


Schwarz Rot Gold, 2004/2009

Foto: Bernd Hiepe

 

Schwarz Rot Gold, 2004/2009, Siebdruck auf Fahnenstoff, 20 Fahnen 60 x 100 cm

Ihren Ursprung haben Nationalflaggen in der Seefahrt des Mittelalters. Die großen im Wind wehenden Stofftücher sorgten dafür, dass die Schiffe schon von weitem zu unterscheiden waren. Die alten deutschen Farben Schwarz, Rot, Gold stammen der Legende nach aus der Zeit Kaiser Barbarossas (1152). Nach der Märzrevolution von 1848 wurde durch einen Machtspruch König Friedrich Willhelms IV von Preußen festgelegt, dass Schwarz-Rot-Gold die richtige Reihenfolge der deutschen Farben sei. Dazu legte man dem preußischen König das Motto in den Mund: „Aus Nacht, durch Blut, zum Licht!“ Später wurde daraus „Schwarz die Vergangenheit, Rot (blutig) der Kampf und Golden die
Zukunft“.
Die Arbeit Schwarz Rot Gold verweist auf die Konstruktion und damit auf das historische Gemachtsein des Identifikationszeichen Nationalflagge. Reduziert auf Wörter und Linien in Schwarz auf weißen Fahnenstoff gedruckt – ohne Bundesadler, ohne Hammer und Sichel im Ährenkranz – fragen die Fahnen nach Bestandteilen, historischen Kontexten und aktuellen Zuschreibungen der bundesdeutschen Nationalflagge im wiedervereinigten Deutschland.